Der nächste Tag begann mit weiteren Planungen, vor allem hinsichtlich der Besuche der Schule in Keur Baka, auf die wir uns diesmal besonders freuten, hatte sich bei der Weiterentwicklung der
Schulkantine doch einiges getan.
Amary hatte uns an der Schule bereits angekündigt und sowohl die Lehrer*innen als auch der (neue) Schuldirektor Monsieur Ibrahima Lo freuten sich, uns ein weiteres Mal willkommen zu heißen.
Insgesamt wollten wir zweimal zur
Schule fahren, auch um mit Monsieur Lo und seinen Mitarbeiter*innen über das Betreiben der Schulkantine und ihren Erfolg, aber auch weitere mögliche Bedarfe und Ideen zu sprechen.
Thema unseres vorangegangen Besuchs 2023 war vor allem die Frage, wie die Kochsituation verbessert werden kann.
Denn bislang werden die Speisen für die Schüler*innen auf offenem Feuer in einem schlecht durchlüfteten Raum zubereitet, was nicht nur viel Energie, also Holz, erforderlich macht, sondern auch
der Gesundheit insbesondere der beiden Köchinnen Fatou und Mariama nicht zuträglich ist. Damals recherchierten wir bereits nach möglichen Alternativen. U.a. stießen wir auf Solarküchen, die
jedoch bei näherer Betrachtung mehr Nach- als Vorteile hatten.
Schließlich wurden wir auf die „fours de cuisson améliorés“ aufmerksam, verbesserte Öfen, die auch bereits an anderen Orten im Senegal zum Einsatz kommen. Sie benötigen weniger Energiezufuhr,
produzieren damit auch weniger CO2 und andere Abgase und können die Wärme gut halten. Nicht zuletzt – und speziell dieser Punkt war uns sehr wichtig – verändern sie nicht die Art des Kochens, so
dass die Köchinnen gut damit arbeiten können. Über Kontakte des Senegalvereins zur GIZ GmbH (Gesellschaft zur Internationalen Zusammenarbeit) in Eschborn und ihrer Partner in Kaolack wurden der
Schule in Keur Baka zwei solche verbesserten Öfen geschenkt.
Vielen Dank an dieser Stelle hierfür!
Bereits im vergangenen Jahr hatte uns Amary Fotos geschickt. Nun konnten wir uns selbst ein Bild machen.
Wurden wir bei unseren Besuchen in den vergangenen Jahren immer von der kompletten Schule mit Tanz und Gesang begrüßt, verlief unsere Ankunft diesmal an beiden Tagen sehr viel leiser und
unaufgeregter – ohne Schüler*innen, dafür mit herzlichem Händeschütteln der Lehrer*innen, des Schuldirektors und weiterer Mitarbeiter*innen, mit denen wir nun schon lange Jahre den Kontakt
halten. Sie zeigten uns die neuen Öfen und luden uns an unserem zweiten Besuchstag zu einem „Yassa Poulet“ ein, ein senegalesisches Gericht mit
Unmengen an würzigen Zwiebeln, Reis und Hühnchen. Stolz wurde uns auch der neu angelegte Schulgarten präsentiert, den die Schüler*innen betreuen und
pflegen und in dem Gemüse für die Schulkantine angebaut wird.
In den Gesprächen im Lehrerzimmer erläuterten Monsieur Lo und seine Mitarbeiter*innen ausführlich, wie die Schulkantine funktioniert und welche Schüler*innen in ihren Genuss kommen. So werden
nach wie vor die Schüler*innen der beiden oberen Jahrgänge an zwei Tagen in der Woche
versorgt, verbunden mit anschließendem (zusätzlichen) Unterricht zur Vorbereitung auf die Prüfungen. Außerdem legten sie Kostenaufstellungen hervor, aus denen wir ersehen konnten, wie viel Geld
jeweils für Öl, Reis, Gemüse, Fisch und die Bezahlung der beiden Köchinnen verausgabt worden
ist. Monsieur Lo bedankte sich bei uns als Vertreter*innen des Senegalvereins Marburg e.V. für die Unterstützung der Schulkantine und betonte deren große Bedeutung.
Zugleich brachte er Überlegungen der Schule zur Sprache, wie das Projekt Schulkantine weiterentwickelt werden kann, etwa durch die Einrichtung eines mit Tischen und Stühlen ausgestatteten
Speiseraums. Denn aktuell
nehmen die Schüler*innen das auf großen Platten servierte Mittagessen, an denen jeweils etwa fünf Schüler*innen essen, in ihren Klassenzimmern zu sich. Auch ein abwechslungsreicheres Essen
wünschte sich der Direktor: So gibt es bislang ausschließlich Fisch mit Gemüse und Reis. Ab und an mal Hühnchen
wäre aus seiner Sicht eine gute Variante, auch wenn das Fleisch teurer als Fisch ist. Beide Anliegen konnten wir sehr gut nachvollziehen und versprachen, uns mit entsprechenden Kalkulationen der
Schule mit diesen Fragen in unserem Verein weiter zu befassen und zu überlegen, welche Möglichkeiten es hier gibt.
Hinsichtlich der verbesserten Öfen haben wir gesehen, dass sie gut funktionieren und die gewünschten Einsparungen beim Brennstoff bringen – dennoch besteht auch hier weiterer Handlungsbedarf:
Denn trotz Abzugsrohr am Ofen, das den Rauch nach oben ableitet, gibt es bislang keine Verbindung aus dem Raum heraus nach draußen, so dass die Abgas-Belastung nach wie vor hoch ist – für die
Köchinnen ein unhaltbarer Zustand. Abhilfe könnte eine Verlängerung des Rohres schaffen. Schulleiter und Kantinen-Verantwortliche versprachen, sich darum zu kümmern. Amary wird vor Ort am Ball
bleiben und über die Umsetzung berichten können.
Seit nunmehr fast zehn Jahren unterstützen wir die Schule in Keur Baka nun beim Betreiben der Schulkantine und freuen uns, etwas in Gang gebracht zu haben, was auch von der Schule mit Elan und
Ideen vorangetrieben wird.
Und noch etwas macht uns große Freude: Unser ehemaliger Student Leo, der 2023 mit einer kleinen Gruppe Studierender der Goethe-Universität Frankfurt als Praktikant zum ersten Mal nach Keur Baka
kam, hat den Kontakt zur Schule und zu den Lehrer*innen eigenständig aufrechterhalten und seinen schon damals artikulierten Wunsch, in einen tatsächlichen Austausch zu treten aus eigener Kraft
und mit viel Engagement verwirklicht. Inzwischen als Französisch-Lehrer an einer Schule und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Goethe-Universität tätig, hat er nicht nur bereits zum
dritten Mal seinerseits mit Studierenden eine Exkursion nach Keur Baka organisiert. Er hat es auch geschafft, eine Gruppe von Lehrer*innen aus Keur Baka nach Deutschland einzuladen und für sie
ein Programm zusammenzustellen, das neben Terminen an der Goethe-Universität auch den Besuch von Schulen in Hessen beinhaltet. Eine tolle Initiative! Die Gruppe ist für Juni 2026 angekündigt und
wir freuen uns auf ein Wiedersehen!
Sehr zufrieden mit dem Verlauf unseres Besuchs in der Schule ließen wir nach knapp einer Woche Kaolack und Keur Baka hinter uns, um die restlichen Tage bis zur Rückkehr nach Deutschland in St.
Louis zu verbringen.
Die ehemalige (Kolonial)hauptstadt des Senegals, am Meer und am Fluss Senegal gelegen, mit seiner zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Altstadt
bot uns die Gelegenheit für ein paar touristische Aktivitäten. So besuchten wir u.a. den Parc National des Oiseaux du Djoudj, das drittgrößte
Vogelschutzgebiet der Welt, UNESCO-Weltnaturerbe und Heimat von unzähligen einheimischen Vögeln und Zugvögeln. Wir sahen Pelikane,
Flamingos, alle möglichen Enten, Möwen und Reiher, Fischadler, Kormorane und Störche und sogar
Krokodile, Schakale, Kormorane und Warzenschweine. Ein beeindruckendes Naturerlebnis, das uns den Senegal noch einmal von einer neuen Seite gezeigt hat!
SENEGAL-VEREIN Marburg e. V.